Archiv für November 2010

Diskussionsveranstaltung in Erfurt am 07.12.2010: Die „Bildungsklau“-Proteste

Ort: Cafe Aquarium, Altonaer-Str. 25, FH-Erfurt
Zeit: 07.12.2010, (Dienstag), 19.00 Uhr

Die „Bildungsklau“-Proteste

Der Staat effektiviert die Bildung als seine nationale Ressource und Schüler und Studenten protestieren – für ihr Ideal davon!

In der vergangenen Woche protestierten nicht nur in Erfurt tausende Schüler und Studenten gegen die aktuellen Schul- und Studienbedingungen. Mehrheitlich skandierten sie lautstark durch Erfurts Straßen, dass man ihnen „die Bildung klauen“ würde. Manch einer verlieh seiner Trauer um den Verlust der scheinbar sehr geschätzten Lern- und Studienbedingungen der Vergangenheit sogar mit einem selbst gebastelten Kreuz Ausdruck. Andere warnten mit Transparenten davor, dass die aktuelle Bildungsreform dem Gemeinwesen noch teuer zu stehen kommen würde – durch mangelhafte Qualifikationen und fehlende Fachkräfte.

Dieser Protest richtet sich – wie immer – an die amtierenden Bildungspolitiker. Ihnen gelten die Forderungen, denen der Protest Nachdruck verleihen soll. Wenn bspw. „freier Bildungszugang für alle Menschen“, eine „öffentliche Finanzierung des Bildungssystems ohne Einflussnahme der Wirtschaft“ oder „selbstbestimmtes Lernen und Leben statt Leistungs- und Konkurrenzdruck“ gefordert wird, wendet man sich wie selbstverständlich an diejenigen, die hierzulande allein die Macht dafür haben, darüber zu entscheiden, welche Bildung, wem und in welcher Form zuteil wird.

Nur, wenn die Politik offenbar genau das Gegenteil dessen veranstaltet, was man sich von ihr erwartet, stellt sich die Frage: Ist die (Aus-)Bildung der jungen Generationen schon deswegen für die Interessen der Schüler und Studierenden eingerichtet, bloß weil es der Staat ist, der sie organisiert?

Wir laden all diejenigen zur Diskussion, deren Ärger über die hiesigen Lern- und Studienbedingungen nicht schon damit erledigt ist, dass man ihm in einer Demo einmal Luft gemacht hat. Wir wollen überprüfen, ob das in dem Protest viel beschworene „Bildungsideal“ tatsächlich dem staatlichen Bildungswesen zugrunde liegt oder ob es nicht vielmehr ein „Ideal“ ist, im Sinne einer frommen Einbildung über die wirklichen und beabsichtigten Zwecke und Funktionsweisen von Schule, Studium und Ausbildung. Wir laden ein zu einer kritischen Besichtigung einerseits der Bildung, wie sie hier und heute staatlicherseits organisiert wird und andererseits der Diagnosen und Forderungen der Bildungsstreikenden.

Eine Behauptung, für die wir in der Veranstaltung den Beweis führen werden, lautet:
Die Forderungen der Bildungsstreikenden enthalten – selbst bei ihrer Verwirklichung gegen die aktuellen Maßnahmen der Bildungspolitik – keinen Segen für den Nachwuchs einer bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft.

Online: Vortrag & Diskussion in Jena am 17.11.10: „Die Integrationsdebatte – Sarrazin und der öffentliche Streit um die richtige nationale Bevölkerungspolitik“

Die Audioaufzeichnung des von Dr. Theo Wentzke am 17.11.2010 in Jena gehaltenen Vortrages “Die Integrationsdebatte – Sarrazin und der öffentliche Streit um die richtige nationale Bevölkerungspolitik” ist jetzt bei archive.org hochgeladen und steht im Downloadbereich zur Verfügung.

Diskussionsveranstaltung in Jena am 26.11.2010: Das Recht und das Menschenrecht (Fortsetzung)

Ort: Jena, Umweltbibliothek, Schillergäßchen 5, 1.OG
Zeit: 26.11.2010, (Freitag), 19.00 Uhr

(zweiter Termin über)

Das Recht und das Menschenrecht

innerstaatliches und außenpolitisches Herrschaftsinstrumentarium

Thesen zur Diskussion: hier.

Diskussionsveranstaltung in Erfurt am 23.11.2010: „Integration: Deutschwerden – Wie und Warum?“

Ort: Cafe Aquarium, Altonaer-Str. 25, FH-Erfurt
Zeit: 23.11.2010, (Dienstag), 19.00 Uhr

Integration

Deutschwerden – Wie und Warum?

Wenn aktuell so viel von Integration die Rede ist, weiß jeder „wir“ haben ein Problem mit den in Deutschland lebenden Ausländern. Angesichts eines verhältnismäßig hohen Anteils von „Menschen mit Migrationshintergrund“ in den hiesigen Armen-, Arbeitslosen- und Kriminalstatistiken, ist für Politik, Öffentlichkeit und Volk eines klar: Die Ausländer sind nicht ordentlich integriert! Richtige Deutsche werden also nicht arbeitslos, kriminell und arm?
Und noch etwas hat man „herausgefunden“ und in der Hinsicht ist man sich auch mit Sarrazin mal einig: Wer zu den Verlierern der Konkurrenz gehört, der hat es selbst verschuldet (Die Ausländer durch ihre fehlende Integration). Und weil, wer nicht ordentlich integriert ist, den Verdacht gegen sich schürt, ein Integrationsverweigerer zu sein, keine Leistung bringen zu wollen, die deutsche Sprache und die deutschen Sitten abzulehnen, etc. gehört seine Gesinnung ganz grundsätzlich auf den Prüfstand…

Wir wollen diskutieren:

Wie kommt eigentlich die Scheidung von Deutschen und Ausländern zustande? Warum und wen will der Staat integrieren? Was haben eigentlich die Betroffenen davon, integriert zu werden?

Diskussionsveranstaltung in Jena: Das Recht und das Menschenrecht

Ort: Jena, Umweltbibliothek, Schillergäßchen 5, 1.OG
Zeit: 10.11.2010, (Mittwoch), 19.00 Uhr

Das Recht und das Menschenrecht

innerstaatliches und außenpolitisches Herrschaftsinstrumentarium

Thesen zur Diskussion: hier.

Diskussionsveranstaltung 2.Teil: Sarrazin und die Anlage-Umwelt-Kontroverse: Machen Gene und/oder das Umfeld dumm, faul und (integrations-)unwillig?

Ort: Cafe Aquarium, Altonaer-Str. 25, FH-Erfurt
Zeit: 09.11.2010, (Dienstag), 19.00 Uhr

Thilo Sarrazin ist von „angeborenen intellektuellen Mängeln“ (100) der Unterschicht überzeugt. Er baute auf den Befunden von der Erblichkeit der Intelligenz den einen Pfeiler seines Untergangsszenarios auf: „Bei höherer relativer Fruchtbarkeit der weniger Intelligenten [er meint deutsches „Prekariat“] sinkt die durchschnittliche Intelligenz der Grundgesamtheit. Das ist in Deutschland …gegenwärtiger Fall“ (99). Und da es für ihn ebenfalls wissenschaftlich belegt ist, „dass zwischen Schichtzugehörigkeit und Intelligenzleistung ein recht enger Zusammenhang besteht“ (93), addiert er eins und eins zusammen und kommt auf seinen Warnruf: „Mehr Kinder von den Klugen, bevor es zu spät ist“ (331). Denn wenn kluge Menschen kluge Kinder in die Welt setzen, dumme Menschen aber eher dumme Kinder, und wenn sich dummerweise die Dummen gegenüber den Klugen durch größere „Fertilität“ auszeichnen, dann muss man zum einen die Klugen im Interesse der Rettung von Deutschlands Wohl und Wohlstand zu vermehrter Kinderproduktion anhalten und zum anderen den Dummen die schädliche Zeugungsquote irgendwie vermiesen. Zu diesem Zweck fällt ihm für die Dummen eine Art sozialer Sterilisierung ein. Ihnen muss das Kinderkriegen ausgetrieben werden: durch radikalen Abbau jener Transferzahlungen, die ihnen bisher ein Leben in „anstrengungslosem Wohlstand“ (Westerwelle) erlaubt und die bei ihnen wie eine Prämie zum Kinderkriegen gewirkt haben. Für die anderen, die Klugen, hat er umgekehrt eine Form der sozialen Fertilitätsstimulierung in seinem Rettungsprogramm: „Es könnte beispielsweise bei abgeschlossenem Studium für jedes Kind, das vor Vollendung des 30. Lebensjahres der Mutter geboren wird, eine staatliche Prämie von 30.000 Euro ausgesetzt werden… [Die] dürfte allerdings nur selektiv eingesetzt werden, nämlich für jene Gruppen, bei denen eine höhere Fruchtbarkeit zur Verbesserung der sozioökonomischen Qualität der Geburtenstruktur besonders erwünscht ist“ (389f). Alles klar! Einen Haken sieht er allerdings noch in seiner Sozial-Eugenik. Denn niemandem kann das Kinderkriegen untersagt werden, selbst den Dummen nicht. Was tun, wenn die einfach weiter ungeschützt verkehren oder verkehrt ihre Familien planen? Dann muss man die Kinder in Einrichtungen stecken, in denen der Versuch unternommen wird, sie trotz schlechter Anlagen noch irgendwie einzudeutschen. Das geht natürlich in den hiesigen Erziehungseinrichtungen nicht nach altem Programm, denn wenn „sie die intellektuelle Ausstattung ihrer Eltern erben“ (175) und damit „für einen großen Teil dieser [Unterschicht-]Kinder… der Misserfolg mit ihrer Geburt bereits besiegelt [ist]“ (175), wird „auch im besten Bildungs-system […] die angeborene Ungleichheit der Menschen durch Bildung nicht verringert, sondern eher akzentuiert“ (249). Bei 80% vererbter Dummheit ist Erziehung eigentlich vergebliche Liebesmühe. Aber vielleicht baut ein Gemisch aus Zwang und Druck, dem Kinder und Eltern gleichermaßen auszusetzen sind, das Undeutsche Unterschichtkindern dann doch ein wenig ab.

Sarrazin ist also der Auffassung, dass ein Zusammenspiel von Anlagen und Umwelteinflüssen nicht nur verantwortlich für das individuelle Vorankommen eines Menschen in der Gesellschaft ist, sondern dass davon auch Erfolg und Wohlstand Deutschlands abhängt. Sarrazin, Wissenschaft und auch die breite Öffentlichkeit streiten sich über die Frage, ob nun Genetik oder Umwelteinflüsse dabei maßgeblicher sind. Wir wollen uns nicht der Frage der Gewichtung widmen, sondern diskutieren, ob das Zusammenspiel von Genetik und Umwelteinflüssen überhaupt entscheidend für Erfolg und Misserfolg jedes Einzelnen oder Deutschlands ist.