Archiv für Januar 2010

Online: Vortrag & Diskussion in Jena am 14.01.10: „60 Jahre Grundgesetz – Kein Grund zum Feiern!“

Die Audioaufzeichnungen des von Albert Krölls am 14.01.2010 in Jena gehaltenen Vortrages “60 Jahre Grundgesetz – Kein Grund zum Feiern!” sind jetzt bei archive.org hochgeladen und stehen im Downloadbereich zur Verfügung.

Anmerkung:
Die Audioqualität ist nicht gut. Wir empfehlen eine bessere Aufzeichung des Vortrags aus Frankfurt und dokumentieren unsere Aufzeichnung eher für Besucher des Jenaer Vortrages, die an dem dortigen Wortlaut interessiert sind.

Vortrag & Diskussion in Erfurt am 28.01.10: „Arbeit lohnt sich! Für wen?“

Ort: Offene Arbeit, Allerheiligenstr. 9, Erfurt
Zeit: 28.01.2010 (Donnerstag), 20.30 Uhr

Referent: Dr. Theo Wentzke

Arbeit gegen Geld – das Kommando des Kapitals über die Arbeitskraft, seine gewerkschaftliche Mitgestaltung und seine sozialstaatliche Regelung

Um den Lohn haben die, die von ihm leben müssen, einmal gekämpft, um von ihm leben zu können. Das – so lehrte sie die tägliche Erfahrung ihrer ruinösen Lohnarbeit – muss ihren Anwendern, die mit ihrem Lohn als Kost in ihrer Gewinnrechnung kalkulieren, abgerungen werden. Also verweigerten sie spontan oder auch schon gewerkschaftlich organisiert die Bereitschaft, zu den gegebenen Bedingungen weiterzuarbeiten, um unter möglichst verbesserten wieder anzutreten.

Ein paar Jahrzehnte später hatte es den Anschein, als sei die Lohnfrage erledigt, als müsste das Proletariat, das seit dieser Zeit „die Arbeitnehmer“ heißt, nicht mehr um seine Existenz fürchten. Das Kämpfen schien obsolet: Gewerkschaften sorgten tarifvertraglich geregelt für Lohngerechtigkeit, Betriebsräte für die Mitwirkung im Unternehmen und Politiker dafür, dass die Marktwirtschaft auch „sozial“ ausgestaltet ist.

Heute ist die Lohnfrage wieder aktuell: Die Unternehmer haben – mit der Berufung auf ihre Konkurrenz und der Berufung auf die Wirtschafts- und die Finanzkrise – mehr Arbeit und freiere Verfügung über die Arbeitskraft für weniger Lohn auf die nationale Tagesordnung gesetzt. In Anbetracht dessen, dass sie auf der Unvereinbarkeit von kapitalistischem Wachstumserfolg mit dem Lebensunterhalt der lohnabhängig Beschäftigten bestehen, leisten sich letztere die Auffassung, das Gegenteil sei der Fall: „Arbeit verdient ihren Lohn“, „sei zu Leben da“, „Leistung lohne sich“ und „Beschäftigung ist überhaupt das höchste Gut“ – zumindest „im Prinzip“, „eigentlich“ u.s.w… Wer da wohl recht behält?

(die Veranstaltung ist gefördert durch die RLS Thüringen e.V.)

Vortrag & Diskussion in Jena am 14.01.10: „60 Jahre Grundgesetz – Kein Grund zum Feiern!“

Ort: Universität Jena, Hörsaal 8, Carl-Zeiss-Str. 3
Zeit: 14.01.2010 (Donnerstag), 18.00 Uhr

Referent: Prof. Dr. Albert Krölls

Das Grundgesetz begeht seinen 60. Geburtstag – und die Nation ist aufgerufen, zu feiern und sich für den Genuss der Freiheiten zu begeistern, die die staatliche Ordnung ihren Bürgern so großzügig gewährt. Dass im Reich der Freiheit alle Unternehmungen des Einzelnen von der Arbeitsplatzsuche bis zur Familiengründung unter dem staatlichen Vorbehalt des Dürfens stehen und selbst die Meinungsäußerung eine Frage der Erlaubnis ist, erscheint niemandem weiter fragwürdig. Vielmehr herrscht eine grundsätzliche Dankbarkeit gegenüber der staatlichen Hoheit, dass man im freiheitlichsten Gemeinwesen, das je auf deutschem Boden existierte, leben darf.

Die Frage nach den Vorteilen dieser Ordnung für diejenigen, die darunter zu leben haben, ist gemeinhin von den Lizenznehmern der Freiheit längst im Sinne des großen demokratischen Gewährers aller dieser schönen Erlaubnisse beantwortet. Die vom demokratischen Rechtsstaat in Kraft gesetzten Zwänge des kapitalistischen Wirtschaftslebens erscheinen den Bürgern nämlich wie naturgegebene Lebensbedingungen, die man als Mittel begreift, um in aller Freiheit für sich daraus das Beste zu machen. Vom Geld über den Arbeitsmarkt bis zu Sozialstaat, Familie und Schule werden alle staatlich unterhaltenen gesellschaftlichen Einrichtungen als eine Welt voller Chancen für die Verwirklichung eigener Anliegen betrachtet. Merkwürdig ist nur, dass aus den schönen Gelegenheiten zur freien Entfaltung der selbstbestimmten Persönlichkeit für die große Mehrheit der Bevölkerung wenig bis gar nichts wird – und heutzutage bereits die Verfügung über einen Arbeitsplatz mit wenig Lohn und dafür umso mehr Leistung das Optimum dessen bildet, was der Normalsterbliche im Reich der Freiheit zu erwarten hat.

Die Veranstaltung will die Lücke einer objektiven Bilanz von Kosten und Nutzen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung schließen, indem sie die Leistungen eines politischen Gemeinwesens prüft, das Freiheit, Gleichheit, Eigentum, Menschenwürde, Demokratie und Sozialstaat auf seine Fahnen geschrieben hat. Die Antworten auf die Frage nach dem Gebrauchswert der staatlichen Ordnung fallen freilich ein wenig anders aus als in den üblichen Festtagsreden. Anders auch als die gängige linke Gesellschaftskritik, welche die schlechte Verfassungswirklichkeit des Sozialstaatsabbaus, der ungleichen Vermögensverteilung oder der menschenverachtenden Asylpraxis als Verstoß gegen Buchstaben und Geist der Verfassungsnormen ansieht und alle sozialen Missstände auf nicht eingelöste Verfassungsversprechen oder auf ein Zuwenig an Freiheit, Gleichheit und Sozialstaat zurückzuführen pflegt.

(die Veranstaltung ist gefördert durch die RLS Thüringen e.V.)