Archiv für Mai 2008

Donnerstagstermin 29.05.08: Selbstbewusstsein – Teil 2 und Fragen zum „Moral-Vortrag“

Kommenden Donnerstag widmen wir uns im Tiko erneut dem Thema Selbstbewusstsein. In Teil 2 sollen die funktionalistischen Besprechungen des Selbsbewusstseins von Berufs- und Hobbypädagogen, -psychologen und -seelsorgern unter die Lupe. Wer den letzten Termin verpasst hat, kann noch unkompliziert mit einsteigen (wir beginnen mit einer Zusammenfassung des Fehlers des Selbstbewussseins).

Am kommden Montag referiert Theo Wentzke zum Thema Moral – Das gute Gewissen der Klassengesellschaft im Kapitalismus in der Offenen Arbeit Erfurt. Wer im Anschluss Fragen, Kritik oder Diskussionsbedarf bei sich bemerkt, ist ebenfalls freundlich eingeladen, den Donnerstagstermin dazu zu nutzen.

Donnerstag, 29.05.08, 19:30 Uhr, Cafe Tiko.

Vortrag- & Diskussion am 26.05.08: Die Moral – Das gute Gewissen der Klassengesellschaft

Die Moral – Das gute Gewissen der Klassengesellschaft

Datum: 26. Mai 2008
Ort: Offene Arbeit Erfurt, Allerheiligenstraße 9 (Hinterhaus), Erfurt
Beginn: 19:30 Uhr
Referent: Dr. Theo Wentzke (Redaktion GegenStandpunkt)

Dass es der Welt an Moral fehle, meint eigentlich ein jeder.

  • Randalierende Fußballfans, die mit nationalistischen Parolen auf „gegnerische“ Fußballfans und die Polizei losgehen,
  • amerikanische Gefängniswärter in Abu Ghraib,
  • Lokführer, die von der Firmenspitze mehr fordern, als der „maßvolle“ Tarifvertrag der DGB-Gewerkschaft mit der Deutschen Bahn zulässt,
  • Manager, die mit Massenentlassungen den shareholder value ihrer Firmen und ihre Bonuszahlungen steigern,
  • bestens versorgte Politiker, die dem gemeinen Mann die Rente zusammenstreichen,
  • Doppelverdiener, die keine Kinder machen,
  • Wissenschaftler, die sich bei ihren Experimenten nicht an die Auflagen der Ethikkommission halten –

lauter Dokumente des umfassenden Mangels an Gemeinsinn, Pflichtgefühl, Menschlichkeit. In diesem Versagen fast aller Mitmenschen vor den Maßstäben des Guten haben die Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft die fertige, stets abrufbare und auf alles anwendbare Erklärung für die sozialen und zwischenmenschlichen Ekelhaftigkeiten, die sie erleben müssen. Wären nur alle so tugendhaft und verantwortlich, wie sie sollten, wäre die Welt in Ordnung, und jeder bekäme, was ihm zusteht.

Dass es ihm selbst an Moral fehlt, meint eigentlich kaum jemand. Man hält sich ja an die Gesetze, zahlt Steuern, tut in Beruf und Familie seine Pflicht, übt Rücksicht auf andere, engagiert sich manchmal sogar für die Umwelt und spendet für die Armen. Eigen- und Fremdeinschätzung weichen da ziemlich voneinander ab. Ein jeder sieht sich von Egoisten, Abzockern, Lumpen umgeben und kennt vor allem einen Rechtschaffenen: sich.

Das ist nur eine der selbstgerechten Dummheiten des moralischen Bewusstseins, von dem die Rede sein wird. Mit diesem Bewusstsein verstehen sich die Menschen als – wertvolle – Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft und sehen sich zum Wächter über das korrekte Betragen ihrer Mitmenschen berufen. Das selbst bringt jede Menge Feindseligkeit unter die Leute.

Unsere These:
Die Welt krankt keineswegs an zu wenig Moral; eher schon an zu viel davon. Das moralische Denken ist das größte Hindernis für eine objektive Beurteilung der Gesellschaft, der es entspringt, und der eigenen und fremden Interessen, die sie erzwingt.

Der Vortrag soll den Zusammenhang von Recht, Gerechtigkeit, Moral, Gewissen und Heuchelei erläutern.

F. Huiskens letzte Woche in Erfurt gehaltener Vortrag “Warum Demokraten (Neo-)Faschisten vielleicht verbieten aber nicht kritisieren können” bei archive.org

Den Mitschnitt der Erfurter Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Freerk Huisken zu Thema “Warum Demokraten (Neo-)Faschisten vielleicht verbieten aber nicht kritisieren können” kann man ab sofort bei archive.org downloaden.
Eingeladen wurde Huisken mit seiner Kritik an Faschismus, Demokratie und Antifaschismus von der Erfurter Antifaschistischen Gruppe AG17.

Donnerstagstermin 15.05.08: Von Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein

Im Anschluss an den Vortrag und die Diskussion zur Jugendgewalt(-debatte), vor drei Wochen in Weimar, greifen wir an diesem Donnerstag im Erfurter Tiko noch einmal das Thema Selbstbewusstseinskult auf.
Ausführlich soll dann dargelegt werden, was es heißt, sich ein Selbstbewusstsein zuzulegen, warum es ein Fehler ist, sich per Selbstbewusstsein an den Erfolgen und Misserfolgen der eigenen Person abzuarbeiten und warum die Sorge um ein funktionierendes Selbstbewusstsein von Pädagogik- und Seelsorgelaien und -profis keine Hilfe sondern ein Zynismus ist.

Wir laden ein zum 15. Mai um 19:30 Uhr und versprechen Rede und Antwort zu stehen zum Selbstbewusstsein genauso wie zur vielgeäußerten Frage nach der Alternative.